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Zur Entstehung von Solidarität über das Internet und die „Thesen über den Begriff von Geschichte“ von Walter Benjamin

von Anja Ebersbach und Richard Heigl (Regensburg)


Zusammenfassung

In den letzten Jahren wurde das Internet zum Medium einer entstehenden globalen Zivilgesellschaft, in der Bürger in zunehmendem Maße ihr Geschick selbst in die Hand nehmen wollen. Selbstorganisierte NGOs, virtuelle Communities und globale Vernetzungen Gleichgesinnter nutzen das Internet intensiv für Kampagnen und zur Informierung bzw. Mobilisierung ihrer Anhänger. Auf der Grundlage eines gewissen Maßes an gemeinsamen Interessen und Idealen, die es ermöglichen, auch mit außerhalb der eigenen Lebenswelt Stehenden solidarisch zu sein, werden die besondere technische und organisatorische Struktur des Internet, wie zum Beispiel seine Dezentralität, genutzt, um Verbundenheit innerhalb solcher Gruppen zu schaffen und aufrechtzuerhalten. Das Internet hat dabei eine mehrfache Funktion als Medium, Werkzeug und politischer Raum, in dem solidarisches Handeln angeregt und organisiert wird. In diesem Artikel wird die Frage der Entstehungsbedingungen von Solidarität im Netz mit Walter Benjamins „Thesen über den Begriff der Geschichte“ diskutiert. Dabei zeigt sich, dass sich mit der Folie der „Thesen“ Form und Inhalt einer demokratisch mobilisierenden Internetseite besser bestimmen lassen. Weiter lässt sich schließen, dass Solidarität weniger durch Nutzung des Netzes als „Megaphon“ erreicht wird, als durch den Gebrauch des Internets als integratives Organisationsmedium.